Musikalisch-lyrischer Abend mit Dagmar Pecková, Emil Rovner, Thomas Birnstiel, Marie Kopecká Verhoeven (Mezzosopran), Kammerensemble der Südböhmischen Philharmonie (Ltg. Vojtěch Spurný)
1. Oktober 2026, 18 Uhr
Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
Stefan-Heym-Platz 1
09111 Chemnitz
Eintritt frei
Der deutsche Komponist Johann Sebastian Bach und der tschechische Schriftsteller Arnošt Lustig, hier in einem dramatischen Kontrapunkt, in dem der Melodie einer der schönsten Kantaten ein unveröffentlichtes Gedicht des bekannten Prosaikers und Zeitzeugen der Shoah gegenübergestellt wird. Ševirat hakelim (hebr. „Das Zerschlagen der heiligen Gefäße“) entstand während des 21-jährigen Exils Lustigs in den Vereinigten Staaten. Ein Gedicht, das die Wahrheit offenbart, „mit der man versuchen kann, wieder zu leben“. Die Kantate Ich habe genug (BWV 82) komponierte Johann Sebastian Bach 1727 nach dem Text eines unbekannten Autors.
Der Tanz der Wahnsinnigen ist eine Metapher dafür, wie man das Unaussprechliche erfassen kann. Die zentralen Themen sind der Zerfall der menschlichen Welt, die Funken der Menschlichkeit und die Kraft der Literatur, einschließlich der Poesie als „emotionales Gedächtnis des Menschen“. Die Erinnerung kann zwar die Vergangenheit nicht wiedergutmachen, aber sie kann die Welt, die danach kommt, zum Besseren verändern. Ob Arnošt Lustig wollte, dass das Gedicht mit Bezug zur jüdisch-mystischen Tradition der Kabbala das Licht der Welt erblickt, werden wir nie erfahren. Entscheidend für den Autor war die tiefe Bedeutung der Literatur als „emotionales Gedächtnis des Menschen“. Idee und Drehbuch der Aufführung stammen von Eva Lustigová, Tochter des Schriftstellers, Regisseurin und Leiterin des Stiftungsfonds Arnošt Lustig. Nach der erfolgreichen deutschen Premiere in Leipzig im Rahmen des Bachfests ist das Programm nun zum zweiten Mal in Deutschland zu erleben.
2026 wäre der Schriftsteller und Überlebende von Theresienstadt, Auschwitz und Buchenwald Arnošt Lustig (1926–2011) 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass feiert das FestivAL100 in 11 Ländern auf fünf Kontinenten die Menschlichkeit – in Deutschland mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa (www.kulturforum.info) als Partner. Arnošt Lustig überlebte das Ghetto Theresienstadt und das Konzentrationslager Auschwitz sowie das Außenlager des KZ Buchenwald HASAG Leipzig-Meuselwitz. 1945 gelang ihm die Flucht aus einem Transport zum KZ Dachau und er konnte sich an verschiedenen Orten bis Kriegsende verstecken. Danach lebte er in der Tschechoslowakei, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in Israel und den USA und nach 1989 wieder in seinem Heimatland. Als Schriftsteller verarbeitete Lustig seine Erinnerungen an die Lager und die Verfolgung. Sein 100. Geburtstag wurde in die Liste der bedeutenden UNESCO-Jubiläen für 2026/2027 aufgenommen.
PROGRAMM:
Musikalisch-lyrischer Abend
Idee und Drehbuch:
Eva Lustigová, Tochter des Schriftstellers, Regisseurin und Leiterin des Arnošt Lustig Stiftungsfonds
Vortragende:
Dagmar Pecková
Emil Rovner
Thomas Birnstiel
Musikalische Interpretation:
Mitglieder der Südböhmischen Philharmonie Budweis/České Budějovice (Vojtěch Spurný, Dirigent und Cembalo, Martin Týml, 1. Violine, Michaela Šikutová Vyoralová, 2. Violine, Eva Horváth, Viola, Jiří Šlechta, Violoncello, Hana Tauerová, Oboe)
Marie Kopecká Verhoeven, Mezzosporan
Regie:
Eva Lustigová
Kooperation mit dem Arnošt Lustig Stiftungsfonds, Tacheles – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen, dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz und dem Kulturreferat für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein. Die Veranstaltung wird vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert.
Weiterführende Informationen unter: https://www.kulturforum.info/de/termine/veranstaltungen/1024794-tanz-der-wahnsinnigen-bach-kantate-ich-habe-genug