Transport aus dem Paradies – Enkelinnen
Filmvorführung und Gespräch mit Eva Lustigová, Tochter von Arnošt Lustig, und Jacqueline Gies, Enkelin des persönlichen Sekretärs von Karl Hermann Frank
8. November 2026, 11 Uhr
Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Am Großen Wannsee 56–58
14109 Berlin
Eintritt frei
Um Anmeldung wird gebeten: https://buchung.ghwk.de/veranstaltungen/anmeldung/37
Der international mehrfach ausgezeichnete tschechoslowakische Film »Transport aus dem Paradies«, gedreht 1962 von Zbyněk Brynych, basiert auf der Erzählung »Nacht und Hoffnung« von Arnošt Lustig. Die Handlung spielt 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt, in dem die Nationalsozialisten einen Propagandafilm drehen lassen, der der Außenwelt ein »normales« Lagerleben mit erfüllenden Arbeiten in Handwerk und Garten sowie einem reichhaltigen kulturellen Leben vorgaukeln soll. Wie in der damaligen Wirklichkeit werden alle Mitwirkenden anschließend in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, worauf der Filmtitel in bitterer Ironie anspielt.
Der zweite Teil der Veranstaltung besteht aus einem Gespräch zwischen Eva Lustigová – Tochter von Arnošt Lustig, deren Großväter in Auschwitz und Dachau ermordet wurden – und Jacqueline Gies – Enkelin des persönlichen Sekretärs von Karl Hermann Frank, Schlüsselfigur des nationalsozialistischen Terrors im sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren. Als Enkelinnen von Täter und Opfern tragen sie unterschiedliche Lasten, die ihr Leben geprägt haben. Sie werden über die Bedeutung von Menschlichkeit und Gerechtigkeit im Kontext ihrer Biografien und der heutigen Weltsituation reflektieren.
Programm:
Grußwort: S.E. Jiří Čistecký, Botschafter der Tschechischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland
Einführung: Dr. Jakob Müller, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Filmvorführung:
Transport z ráje | Transport aus dem Paradies
Regie: Zbyněk Brynych, ČSSR 1962, Länge: 93 Minuten, OmdU
Pause
Podiumsgespräch:
Enkelinnen
mit Eva Lustigová und Jacqueline Gies. Moderation: Aya Zarfati, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, und Dr. Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein, München
2026 wäre der Schriftsteller und Überlebende von Theresienstadt, Auschwitz und Buchenwald Arnošt Lustig (1926–2011) 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass feiert das FestivAL100 in 12 Ländern auf fünf Kontinenten die Menschlichkeit – in Deutschland mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa als Partner. Arnošt Lustig überlebte das Ghetto Theresienstadt und das Konzentrationslager Auschwitz sowie das Außenlager des KZ Buchenwald HASAG Leipzig-Meuselwitz. 1945 gelang ihm die Flucht aus einem Transport zum KZ Dachau und er konnte sich an verschiedenen Orten bis Kriegsende verstecken. Danach lebte er in der Tschechoslowakei, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in Israel und den USA und nach 1989 wieder in seinem Heimatland. Als Schriftsteller verarbeitete Lustig seine Erinnerungen an die Lager und die Verfolgung. Sein 100. Geburtstag wurde in die Liste der bedeutenden UNESCO-Jubiläen für 2026/2027 aufgenommen.
Kooperation mit dem Arnošt Lustig Stiftungsfonds, der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, dem Kulturreferat für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein, der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin und dem Tschechischen Zentrum Berlin. Die Veranstaltung wird vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert und findet im Rahmen der Berlin Freedom Week statt.
Weiterführende Informationen unter: https://www.kulturforum.info/de/termine/veranstaltungen/1024792-transport-aus-dem-paradies-enkelinnen