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Deutschland und Polen bieten für die Analyse dieser Entwicklungen einen besonders aufschlussreichen Vergleich, da beide Länder unterschiedliche historische Traditionen der Migration und migrationspolitischen Steuerung aufweisen. Während Deutschland seit den Anwerbeprogrammen der Nachkriegszeit schrittweise zu einem zentralen Zielland von Migration geworden ist, war Polen lange Zeit vor allem durch Auswanderung geprägt – insbesondere seit der EU-Osterweiterung im Jahr 2004.
In den vergangenen Jahren haben sich diese Rollen jedoch teilweise verschoben. Polen ist zunehmend selbst zu einem wichtigen Zielland von Migration geworden, insbesondere für Arbeitskräfte aus der Ukraine und anderen osteuropäischen Staaten. Die russische Invasion der Ukraine im Jahr 2022 hat diese Entwicklung nochmals erheblich verstärkt und die enge Verschränkung von Fluchtmigration und Arbeitsmarktintegration sichtbar gemacht. Parallel dazu verfolgt Deutschland eine aktivere Politik zur Gewinnung internationaler Fachkräfte. Zugleich sind migrationspolitische Debatten und Reformen in den letzten Jahren stärker von Fragen der Begrenzung, Steuerung und Regulierung von Migration geprägt. Beide Länder stehen damit vor ähnlichen Herausforderungen: der Integration zugewanderter Menschen in Arbeitsmärkte, Institutionen und gesellschaftliche Strukturen – allerdings unter unterschiedlichen institutionellen und politischen Rahmenbedingungen.
Vor diesem Hintergrund widmet sich dieses Themenheft der Analyse von Arbeitsmigration und Arbeitsmarktintegration im deutsch-polnischen Vergleich. Im Zentrum stehen institutionelle Rahmenbedingungen, arbeitsmarktpolitische Strategien, unternehmerische Rekrutierungspraktiken sowie die Erfahrungen und Handlungsspielräume von Migrant:innen selbst. Ziel des Themenheftes ist es, durch empirische Analysen, vergleichende Perspektiven und theoretische Reflexionen zu einem besseren Verständnis der Bedingungen gelingender Arbeitsmarktintegration in unterschiedlichen institutionellen Kontexten beizutragen. Der deutsch-polnische Vergleich soll dabei nicht nur Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar machen, sondern auch Ansatzpunkte für wechselseitige Lernprozesse und für die Weiterentwicklung migrations- und arbeitsmarktpolitischer Strategien aufzeigen.
Autorinnen und Autoren, die einen Beitrag zu diesem Themenheft einreichen möchten, werden gebeten, eine kurze Skizze ihres geplanten Beitrags (ca. eine halbe Seite) spätestens bis zum 15.08.2026 an die Herausgebenden sowie an die Redaktion der VAW (vaw@uni-bremen.de) zu senden. Eine Rückmeldung erfolgt innerhalb von drei Wochen.
Wir akzeptieren Beiträge in deutscher oder englischer Sprache. Die fertigen Manuskripte sollen eine Länge von maximal 40.000 Zeichen nicht überschreiten und sind in der Erstfassung bis zum 15.01.2027 einzureichen. Der Themenband der Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW) ist für Juni 2027 geplant.
Weiterführende Informationen unter: https://www.duncker-humblot.de/_files_media/mediathek/download/vaw_opencall_4_2-27_01_652.pdf