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CfP: „Jüdisches Leben im östlichen Europa in Vergangenheit und Gegenwart“ für Onlineportal „Copernico“

Eingereicht am: 14.04.2022
Eingereicht von: Copernico-Redaktion / copernico@herder-institut.de

Das Onlineportal „Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa“ (https://www.copernico.eu/) ruft auf zur Einsendung von Beiträgen für den neuen Themenschwerpunkt „Jüdisches Leben im östlichen Europa in Vergangenheit und Gegenwart“.

 

Über Copernico
Das neue Recherche-, Themen- und Transferportal „Copernico. Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa“ macht Geschichte anschaulich. Es informiert attraktiv und wissenschaftlich fundiert über die gemeinsame Geschichte und das geteilte kulturelle Erbe im östlichen Europa und bietet neben einem Online-Themenmagazin auch eine Recherchedatenbank, in der sich die Angebote und Tätigkeiten von bereits mehr als zwei Dutzend Partnereinrichtungen aus den Bereichen Wissenschaft und Kulturerbevermittlung recherchieren lassen.
Das Themenmagazin des Portals richtet sich insbesondere an die breitere Öffentlichkeit: Präsentiert werden Beiträge und Inhalte, die wissenschaftliche Themen und Forschungsergebnisse auch für thematische Einsteiger zugänglich machen und attraktiv aufbereitet sind. Dabei werden komplexe wissenschaftliche Apparate und Fachsprache vermieden, notwendige Fachbegriffe über Infoboxen erklärt, Orte und Länder über Einschubfenster mit Karten vorgestellt.
Arbeitsgebiet und -gegenstand des Portals sind die Länder, Landschaften und Regionen zwischen Ostsee und Schwarzem Meer.

 

Jüdisches Leben im östlichen Europa in Vergangenheit und Gegenwart
Am 22.11.1924 veröffentlichte Joseph Roth in der Frankfurter Zeitung eine Reportage über Lemberg (L’viv, Lwów, L’vov). Darin schildert er das vielsprachige Lemberg, die oft zitierte „Stadt der verwischten Grenzen“, in dem Juden ebenso zuhause waren wie Polen und Ukrainer. Zwar ist dieses Bild angesichts der blutigen Kämpfe zwischen der polnischen und der ukrainischen Bevölkerung und des Novemberpogroms nach Ende des Ersten Weltkriegs nicht frei von nostalgischer Verklärung, doch betont die Reportage zu Recht die starke Präsenz jüdischen Lebens im östlichen Europa vor dem Holocaust: „In der Nähe des Theaters, das am unteren Ende die Straße abgrenzt, sprechen die Menschen Jiddisch. Immer sprachen sie so in dieser Gegend. Sie werden wahrscheinlich niemals anders reden.“
Wie in Lemberg waren Juden an vielen Orten im östlichen Europa seit dem Mittelalter eine der größten Bevölkerungsgruppen, sie prägten Kultur und Bildung, Politik und Wirtschaft. Ihre Anwesenheit schlug sich auch im Stadtbild nieder, wofür insbesondere das Schtetl steht, aber auch die Existenz einzelner, spezifisch ‚jüdisch‘ konnotierter Gebäude, Gebäude-komplexe oder Straßenzüge.
Die gewaltsamen Konflikte des 20. Jahrhunderts, der Holocaust an den europäischen Juden, ‚ethnische Säuberungen‘ und erzwungene Bevölkerungsverschiebungen löschten das für das gesamte östliche Europa einst so charakteristische Nebeneinander verschiedener Sprachen und Religionen beinahe aus. Nach 1945 gab es zaghafte Versuche einiger jüdischer Überlebender, an ihren früheren Wohnorten wieder jüdisches Leben zu etablieren. Dies wurde von der nichtjüdischen Gesellschaft nicht selten ignoriert, offen abgelehnt oder als bloßes Übergangsstadium vor einer Emigration abgetan.

 

Der Call for Papers fragt nach Beiträgen, die sich mit der Geschichte jüdischen Kulturerbes im östlichen Europa befassen. Dabei können ebenso bekannte religions- und kulturgeschichtliche Phänomene wie die jüdische Aufklärung oder der Zionismus perspektiviert werden wie auch unbekanntere alltags- oder wirtschaftshistorische Facetten. Folgende Aspekte sind denkbar:
– Schtetl und Metropolen: jüdische Räume
– Erinnerungslandschaften und „Lost places“
– „Geteilte“ Geschichte: Miteinander und Begegnungen von Juden und Nichtjuden
– Jüdische Persönlichkeiten und Institutionen
– Geistig-religiöses Leben
– Alltagskultur und Familie
– Ausgrenzung und Verfolgung
– Objektgeschichten: Judaica in Raum und Zeit
– Schwieriger Neuanfang: Neues jüdisches Leben nach 1945

 

Richtwerte und Formate
Aufgerufen wird zur Einreichung von Beitragsvorschlägen unterschiedlichster Formate und Inhaltsformen, von niedrigschwelligen Einführungsformaten bis hin zu vertiefenden Hintergrundartikeln zu spezifischen Fragestellungen. Die maximale Textlänge beträgt 12.000 Zeichen einschl. Leerzeichen. Weitere Textformen, beispielsweise zur Vorstellung historischer Persönlichkeiten, für Objektgeschichten oder zu ausgewählten historischen Quellen können auch deutlich kürzer ausfallen (4.000-6.000 Zeichen).
Beiträge ab einer Länge von 10.000 Zeichen werden parallel auf dem Publikationsserver des Herder-Instituts publiziert und mit einer DOI versehen. Darüber hinaus verfügen alle Beiträge im Portal über eine Zitierempfehlung, Permalinks und Lizenzhinweis. Sämtliche Beiträge werden zweisprachig publiziert und ins Englische übersetzt (bei Bedarf können Beiträge auch auf Englisch eingereicht und ins Deutsche übertragen werden). Benötigt wird für jeden Beitrag mindestens eine attraktive und hochaufgelöste Illustration mitsamt Bildunterschrift und erfolgter Rechteklärung. Die eingereichten Beiträge werden im Rahmen eines internen Begutachtungsverfahrens lektoriert. Alle Autor:innen behalten die Nutzungsrechte für Ihre eigenen Texte. Weitere Hinweise für Beiträger:innen, zu Illustrationen und Schlagwörtern erhalten Sie im Portal selbst (https://www.copernico.eu/de/hinweise-fuer-beitraege) sowie auf Anfrage unter copernico@herder-institut.de.
Es gelten die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis.

 

Einsendeschluss und Termine:
Bitte schicken Sie bis zum 31. Mai 2022 ein Abstract von max. 300 Wörtern mit einer kurzen Beschreibung des geplanten Beitrags an copernico@herder-institut.de. Sie erhalten Rückmeldung bis zum 30. Juni 2022, ob der Beitrag zum Themenschwerpunkt zugelassen ist. Einsendeschluss der fertigen Beiträge ist der 15. Oktober 2022.

Details

Zeit:
31.05.2022 @ 00:00
Webseite:
www.copernico.eu
Veröffentlicht am:
Rubrik: Chancen, Kalender
Tagesredaktion: Nicole Pörschmann